Im November kamen wir auf eine gleichzeitig geniale und komische Idee. Das Flugunternehmen Ryanair hatte super-sonder-günstige Flüge und, weil ich so oder so auf die Idee gekommen bin, meinen Geburtstag nicht in Deutschland zu feiern, war schnell klar: Wir müssen das Angebot nutzen und irgendwo hinfliegen. Nach kurzer Recherche und Abchecken der Preise stand das Ziel fest: Ryanair bot uns für knapp 90€ einen Hin- und Rückflug (für 2 Personen!) von Frankfurt-Hahn nach Lanzarote an. Am Samstag sollte das Flugzeug starten und am Dienstag wiederkommen. Genial, dachte ich und klickte ohne lange zu zögern auf buchen. Doch schon während ich schnell mit Paypal bezahlen ging, wurde mir irgendwie klar, was ich da gemacht hatte: Ich hatte für knapp vier Tage eine Reise auf die Kanaren gebucht. Umweltverschmutzung und Dekadenz, Dinge, die ich eigentlich überhaupt nicht leiden kann, lassen grüßen. Doch ich versuchte mir zu sagen „Es ist ja dein Geburtstagsgeschenk“ und ich kann euch jetzt schon sagen, ja die Reise war ein Geschenk und eine wohltuende Tat!

Der Weg nach Frankfurt-Hahn: Schneegestöber und die ersten bösen Anzeichen

IMG_5240Unsere Reise begann äußerst … wie soll ich es sagen … interessant: Wir hatten unsere Koffer schon einen Tag vorher gepackt – zum Glück. Es ist immer besonders schwierig, wenn wir nur mit Handgepäck fliegen, aber die Kunst ist es doch, mit besonders wenig zu reisen und zu leben, oder? Über das Thema „Wie reise ich mit Handgepäck“ möchte ich allerdings an anderer Stelle noch einen Beitrag schreiben, deswegen sei noch nicht zu viel verraten.

Wir stiegen um kurz vor elf ins Auto. Um halb zwei sollte der Flieger starten und immerhin trennen uns anderthalb Stunden vom Flughafen Frankfurt-Hahn. Wir bestiegen unseren geliebten Berly-Bär, der uns in Schottland schon lange als Reisemobil gedient hatte, und fuhren los. Gute Laune, gute Musik, gute Gespräche. In der ersten Stunde unterhielten wir uns überwiegend darüber, wie schön warm es auf Lanzarote sein würde (ca. 20 Grad) und wie toll es werden würde und was für Glück wir hatten, dass es, ganz entgegengesetzt des Wetterberichts noch nicht schneien würde …

Kaum ausgesprochen fielen auch schon die ersten Schneeflocken vom Himmel. Große, weiße Flocken, die wie kleine Wattebäuschen an der Windschutzscheibe vorbeiflogen … Ich persönlich fahre ja gerne bei Schnee. Schnee ist besser als Regen, weil der matscht auf der Windschutzscheibe und macht die Sicht schwierig. Schnee hingegen fliegt nur an dir vorbei. Alles gut, bis er auf der Straße liegenbleibt und du dir ernsthaft Sorgen darüber machen musst, dass es glatt werden könnte.

Es wurde glatt. Je schneller die Schneeflocken fielen, desto weißer wurde die Straße und desto tiefer sank das Thermometer. 1 Grad. 0 Grad. -1 Grad und schließlich -2 Grad, als wir beim Schnellrestaurant kurz vor Frankfurt-Hahn ankamen, um Kaffee zu trinken. Während wir die warmen Tassen in unseren kalten Händen festhielten, sahen wir den Schnee fallen und fallen und … Er fiel so schnell, dass ich, als wir wieder ins Auto stiegen, tatsächlich den Schnee von der Frontscheibe wischen musste … Ätzend, sag ich euch! Meine Sehnsucht nach Sonne und weißem Sand unter meinen Füßen wuchs. Und wisst ihr, was im Allgemeinen das größte Problem ist, wenn man von einer kalten Region in eine Warme fliegt? Man hat eindeutig zu wenig an, weil man sich ja auf die Wärme freut. Spätestens als wir auf dem eingeschneiten Parkplatz zum Stehen kamen, stellten wir die Frage laut: „Hoffentlich werden wir überhaupt starten können …“ Niemand wagte diese Frage zu beantworten. Noch nicht.

Wenn man nur mit Handgepäck fliegt und zudem bereits online einchecken musste, hat man Glück, dass alles schnell abgewickelt wird. Wir saßen kaum eine Stunde später im Flugzeug auf unseren Plätzen (ich hatte einen Fensterplatz, yay!) und warteten darauf, dass das Flugzeug startete, als mir bewusst wurde, dass ich noch nie bei Schneesturm geflogen bin. Oder generell im Winter.

Gut: Der Zeitpunkt, an dem wir eigentlich hätten starten sollen, zog vorbei. Niemand sagte etwas. Ich wurde nervöser. Halbe Stunde Verspätung. Schade eigentlich, ich dachte, wir würden vor sieben auf Lanzarote landen. Gut … Wir begangen die Serie, die wir auf das iPad geladen hatten, und warteten und warteten und … Sechsunddreißig Minuten später schrie ich auf. Nicht, weil in Game of Thrones irgendwas Schlimmes passierte, sondern weil auf einmal eine ekelige braune Masse an meinem Fenster herunter floss. Zugegeben: Ich saß noch nie in einem Flugzeug, das enteist werden musste, woher sollte ich also darauf vorbereitet sein? Ich wertete es jedenfalls als gutes Zeichen, immerhin spritzte ein riesiges Auto eine grüne Pampe auf die rote und wir bewegten uns in Richtung Rollfeld.

Ich bin ehrlich, wenn ich sage, dass ich kaum Angst oder Bedenken habe, wenn es ums Fliegen geht. Ich meine, das verschwundene Flugzeug vom letzten Jahr, das ist doch mit Sicherheit auf der Lost-Insel gelandet. Wie sonst sollte man das Verschwinden erklären? Da ich gerne auf der Lost-Insel landen würde … und wir ansonsten nicht abstürzen werden, war alles also kein Problem. Jetzt, hier in diesem Schneegestöber nicht nur ewig zu warten und dann auch noch wie auf einer Achterbahnfahrt zu starten … das bereitete mir sehr unangenehme Gefühle und ich war froh, als wir endlich, endlich, endlich über den Wolken waren … Heimlich sang ich in meinem Kopf tatsächlich das Lied von Reinhard Mey „Über den Wolken“ und wartete darauf, dass die vier Stunden Flug vorbeigingen.

Tipp für zumindest ein paar Stunden andauernde Flüge: Guckt eine Serie

IMG_4100Auf dem Rückflug würde ich es zu schätzen wissen, dass wir auf dem Hinflug eine Serie zu gucken hatten. Sie passte zeitlich genau und endete, als der Pilot die Landung ansagte. Ich rückte näher an mein Fenster und blickte nach unten. Ich wollte unbedingt die Sonne sehen und die schöne Insel, die wir besuchten … Und was sah ich schließlich, als wir auf dem Boden standen? Graue Massen von Wolken und schwüle Luft. So hatte ich mir das gottverdammt nicht vorgestellt, doch meine Begleiter meinten „Das wird schon wieder.“

Hoffentlich, dachte ich und zog meinen Koffer hinter mir her. Hoffentlich, hoffentlich, hoffentlich.

 

 

Das schönste Hotel dieser Welt – Oder zumindest auf Lanzarote

Wir holten unseren Mietwagen und fuhren dann schnurstracks zu unserem Hotel Costa Calero. Wir kannten das Hotel vorher nicht, sondern haben es uns auf Holidaycheck ausgesucht … Wie sich am Ende herausstellte, eine wunderbare Wahl. Das Zimmer war ein Traum, Essen und Trinken … Und dann erst das Frühstück. Ich kann euch gar nicht sagen, wie traurig ich war, dass wir wirklich nur vier Tage bleiben würden. Aber dafür waren es vier wunderschöne und lange Tage. Aber davon erzähle ich euch … ein anderes Mal!

Hat euch dieser Bericht gefallen? Schreibt uns doch bitte einen Kommentar! Wir würden uns sehr freuen! Bis bald!

[mappress mapid=“45″]

Written by Hilke-GesaBussmann

Schreibe einen Kommentar